Hauptinhalt

24.11.2022

Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen in Niederösterreich

Vom 25. November bis zum 10. Dezember finden jährlich die „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig machte deshalb gestern bei einer Pressekonferenz im NÖ Landhaus deutlich, dass es besonders wichtig sei „hinzuschauen, aufzurütteln und jene Menschen mit dem Thema in Berührung zu bringen, die nicht davon betroffen sind oder sich mit dem Thema nicht beschäftigen wollen.“

 

Es sei essentiell, das Thema anzusprechen und öffentlich zu machen, Frauen präventiv zu stärken und ganz besonders zu stärken, wenn sie schon in Gewaltbeziehungen leben. „Wir haben im vergangenen Jahr 2.367 Betretungsverbote gehabt. Das ist wirklich eine sehr hohe Anzahl und zeigt uns, dass es viele Frauen und Kinder gibt, die in Gewaltbeziehungen leben müssen. Deswegen müssen wir Frauen stärken, wenn sie in Gewaltbeziehungen leben.“ Da seien für Königsberger-Ludwig drei Punkte wichtig: „Erstens: Häusliche Gewalt ist nicht privat, häusliche Gewalt geht uns als Gesellschaft uns als Politik etwas an. Zweitens: Die Schuld liegt immer beim Täter. Es gibt keinen Grund, warum man Gewalt erleiden muss. Und der dritte Bereich ist, dass es immer Wege aus Gewaltbeziehungen gibt.“

 

In Niederösterreich gebe es im Moment sechs Frauenhäuser mit 58 Frauenplätzen, insgesamt stehen in Niederösterreich 145 Plätze für Frauen und deren Kinder zur Verfügung. „Wir haben im Bereich der Frauenhäuser einige sehr wichtige Dinge auf den Weg gebracht“, sagte Königsberger-Ludwig: „Erst seit eineinhalb Jahren können sogenannte Hochrisikofrauen aus benachbarten Bundesländern in unseren Frauenhäusern aufgenommen und auch Niederösterreicherinnen außerhalb des Bundeslandes untergebracht werden, wenn es darum geht, eine möglichst große Distanz zum Täter zu schaffen. Es ist auch gelungen, die Finanzierung neu aufzustellen. Wir haben das Budget seit 2019 um knapp 600.000 Euro auf 2,8 Millionen Euro erhöhen können. Weiters haben wir eine Sofortmaßnahme mit 100.000 Euro für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen aufgestellt. Zudem können und auch Frauen mit besonderem Aufenthaltstitel in Frauenhäuser aufgenommen werden.“ Im Bereich der Notwohnungen stehen 30 Frauenplätze zur Verfügung, 2021 waren 52 Frauen mit 19 Kindern untergebracht.

 

Abschließend formulierte die Landesrätin drei Ziele: Zum einen wolle man bauliche Qualitätskriterien für den Um- und Neubau von Frauenhäusern aufstellen. Dafür sei bereits die Planung für ein Muster-Frauenhaus in Auftrag gegeben worden, in dem alle Erfordernisse Berücksichtigung fänden, die an ein Frauenhaus in der heutigen Zeit gestellt werden würden. Zum anderen wolle man die Lücke der Istanbul-Konvention schließen, die pro 10.000 Einwohner einen Frauenhausplatz vorsieht. Dazu fehlen im Moment 25 Plätze. Der letzte Punkt umfasse das selbstständige Leben von Frauen. „Dazu gehört auch leistbarer Wohnraum“, unterstrich sie. Probleme gebe es vor allem, wenn Frauen aus Frauenhäusern ausziehen und kein adäquater Wohnraum zur Verfügung stehe.


Mehr leistbarer Wohnraum für gewaltbetroffene Frauen nötig